Kategorie: Energie und Umwelt

Windenergie, Leistung und Stromerzeugung

Physikalische Größen und Zahlenwerte werden mit Verlaub in der medialen Berichterstattung häufig unkorrekt verwendet und demzufolge der Sachverhalt über den berichtet wird verfälscht dargestellt. Ob dies nun an mangelnden mathematisch / physikalischen Kenntnissen liegt,  oder sich dahinter womöglich eine ideologisch beabsichtigte Irreführung der Leser verbirgt  ist unklar. Auffällig ist nur, dass dies häufig in hochgelobten Beiträgen zu regenerativen Energien der Fall ist. So werden z.B. Leistung und Energieerzeugung verwechselt und die Nennleistung einer Windenergieanlage (WEA) als ständig gegeben angenommen, womit sich haarsträubende Angaben über die erwartete Stromproduktion und das Potential zur Versorgung von Haushalten mit Strom ergeben. Für die Erzeugung von Strom aus WEA wird nachfolgend der Zusammenhang zwischen Leistung und Energiebereitstellung unter Beachtung der funktionalen Abhängigkeit von den Windverhältnissen dargestellt. Wie sich die Verhältnisse bei der Erzeugung von Solarenergie  darstellen folgt in einem separaten Artikel.

Die Leistung mit dem Kurzzeichen P für Power wird  zur Erinnerung an James Watt in Watt, Kilowatt, oder bei großen Anlagen in Megawatt angegeben bzw. gemessen und bezeichnet die aufgewendete  Energie (E) in einer bestimmten Zeitspanne; P= E /Zeitdifferenz. Bei der Windenergie wird Bewegungsenergie von Wind über die Rotationsfläche der Rotorblätter, die Nabe, Rotorwelle, Getriebe und schließlich den Generator der WEA in elektrische Energie, also Strom umgewandelt. Wieviel Leistung in einem bestimmten Moment zur Verfügung steht, hängt von der Anlagengröße der WEA, der Fläche der Rotorblätter   und der gerade vorherrschenden kinetischen Windenergie, also der gerade in Bewegung befindlichen Luftmassen ab. Bei Windstille stehen die Rotorblätter still, die Leistung ist null.

Somit ergibt sich die erzeugte Windleistung, Pwind,  aus der kinetischen Windenergie pro Zeiteinheit (Pwind  = Ekin,wind /delta t), wobei die kinetische Energie quadratisch mit der Windgeschwindigkeit steigt (Ekin = ½ m v²) und  die Windmasse, m, sich aus dem Produkt der Luftdichte und des Luftvolumens ergibt (m= p x V). Damit folgt: die Leistung P ist ½ mal  die Luftdichte mal der Fläche der Rotorblätter mal die anstehende Windgeschwindigkeit  hoch drei Pwind= p x A x v³/2. Die wichtigste Erkenntnis daraus ist, dass die Leistung einer WEA mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit, die gerade am Ort der WEA vorherrscht, wächst. Die Windverhältnisse sind das all entscheidende Kriterium für die Energieausbeute, also der Stromproduktion.

Eine Verdopplung der Windgeschwindigkeit ergibt eine achtfache Windleistung und umgekehrt. Nimmt die Windgeschwindigkeit um die Hälfte ab, steht nur noch 1/8 der ursprünglichen Leistung zur Verfügung. Wird z.B. eine große 4 MW WEA bei optimalem Wind mit Nennleistung betrieben und reduziert sich dann der Wind um die Hälfte, erzeugt die WEA nicht mehr 4 MW, sondern nur noch 0,5 MW Leistung, ein gewaltiger Unterschied.

Da mit steigender Höhe die Windgeschwindigkeit zunimmt wurden zur Leistungssteigerung immer größere WEA mit größeren Rotorflächen gebaut. Lag in den 90er Jahren die Nabenhöhe bei 60 m und der Rotordurchmesser bei rund 45 m so betrugen diese Werte 2005 schon 89 m zu 73 m, 2010 100 m zu 80 m und heute sind wir bei Nabenhöhen um 110 m und  Rotordurchmessern von ca. 130 m angekommen. Die höchste in 2016 errichtete WEA hat eine Nabenhöhe von 164 m und eine Gesamthöhe bis zur Flügelspitze von rund 230 m und offshore Anlagen im Meer sind noch größer geplant.

Einhergehend mit der Größe der WEA stieg die Anlagenleistung, meistens  Nennleistung genannt,  entsprechend an, von einigen 100 KW um 1990, über 1 MW um 2000 und 2 MW um 2010. 2016 betrug die durchschnittliche Anlagenleistung neu errichteter WEA 2,7 MW und die durchschnittliche Leistung aller rund 27000 in Deutschland betriebenen WEA 1,7 MW. Die gesamte Nennleistung aller Anlagen betrug  Ende 2016 rund 50 000 MW.  https://www.energy-charts.de/power_inst_de.htm

Wieviel Leistung bereitgestellt und damit  Energie in KWh erzeugt und ins Stromnetz eingespeist werden kann hängt entscheidend von den Windverhältnissen am Standort einer WEA ab. Nach der Beaufortskala wird die Windgeschwindigkeit in 13 Windstärkebereiche  von 0 (Windstille) bis 12 (Orkan) eingeteilt. Ab Windstärke 3 (schwache Brise, 3,4 bis 5,5 m/s Windgeschwindigkeit) werden bei einer mittelgroßen Anlage (1,5 MW)  die Reibungs- und Trägheitsmomente der Anlage überwunden und das Rotorblatt beginnt sich zu drehen. Bis zum Erreichen der Nenngeschwindigkeit bei ca. 11 -15 m/s (Windstärke 6 bis 7; d.h. starker bzw. steifer Wind) nimmt die abgegebene Leistung bis zur Nennleistung der WEA ständig zu. Bei weiter wachsender Windstärke wird die Anlage abgeregelt und bei Sturm aus Sicherheitsgründen abgeschaltet.  

Die in Deutschland installierten WEA mit im Mittel 1,7 MW Nennleistung benötigen auf Nabenhöhe der Anlage Nennwindgeschwindigkeiten von 11 bis 15 m/s um einen Betrieb mit ihrer  Nennleistung zu gewährleisten. Demgegenüber stehen die realen Windverhältnisse in Deutschland mit im Schnitt nur 5 bis 6 m/s Windgeschwindigkeit und häufig noch weniger (Windatlas des Deutschen Wetterdienstes). Größere Windgeschwindigkeiten gibt es nur temporär bei besonderen Wetterlagen und vornehmlich an der Küste. https://www.dwd.de/DE/leistungen/windkarten/deutschland_und_bundeslaender.html

Bei Windverhältnissen von 5 bis 6 m/s  bringt eine große WEA mit z.B.  3 MW Nennleistung nur noch eine Leistung von 375 KW, also 1/8 ihrer Nennleistung, entsprechend klein ist die erzeugte Strommenge übers Jahr. 2016 haben alle 27 000 WEA mit ca. 50 000 MW eine Strommenge von 77,8 TWh produziert, das entspricht 14,8 % des deutschen Strombedarfs von ca. 525 TWh. Wären die Windverhältnisse in Deutschland  so gut, dass alle  Anlagen durchgehend mit Nennleistung betrieben werden könnten, würden die rund 78 TWh  bereits in 65 Tagen produziert werden. Vergleicht man WEA mit konventionalen Stromerzeugungsanlagen (Kohle, Kern) und deren  Leistungsverfügbarkeiten von 85 % würden die betriebenen 27 000 WEA eine Strommenge von ca.330 TWh produzieren, der tatsächliche Wert liegt bei knapp einem Viertel.

Als Faustformel für einen guten Richtwert für die Stromproduktion einer WEA mit guten Windverhältnissen kann man festhalten, dass die mittlere  jährliche Stromeinspeiseleistung rund ein Viertel der  Nennleistung entspricht. Mit dieser Faustformel lässt sich dann auch einfach die Stromproduktion abschätzen: ¼ der Nennleistung in MW oder KW mal 365 Tage x 24 Std = Stromproduktion in MWh bzw. KWh/ Jahr. So produziert eine moderne WEA mit 4 MW Leistung auf einem windgünstigen Standort eine Strommenge von ca. 8760 MWh bzw. 8 760 000 KWh und liefert damit den Jahresstrom für knapp 2000 vier Personenhaushalte (4500 KWh/Jahr). Eine Versorgungssicherheit dieser Haushalte ist wegen der Windvolatilität mit Situationen von Anlagenstillständen nicht gegeben. Ein Abgleich der Faustformel  mit neu errichteten WEA bei Gedern am Vogelsberg ergibt eine gute Übereinstimmung.

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/windkraftanlage-am-vogelsberg-strom-fuer-8-000-haushalte-13809407.html

Die hohe Volatilität des Windstroms führt dazu, dass es trotz der vielen WEA in Deutschland jedes Jahr Zeiträume gibt, an denen praktisch keine Leistung zur Verfügung steht.  Da dies auch für die Sonnenenergie gilt (nachts scheint keine Sonne und bei bestimmten Witterungslagen nur sehr wenig) müssen zu jedem Zeitpunkt 100 % der in Deutschland benötigten max. Leistung (ca. 75 000 MW ) durch konventionelle Kraftwerke (Kohle, Gas, Kern) vorgehalten werden, um den Strombedarf jederzeit decken zu können, Leistungsschwankungen auszugleichen und Netzzusammenbrüche zu vermeiden. Da die Kernenergie 2022 beendet ist und Kohlekraftwerke reduziert werden sollen, läuft alles darauf hinaus, dass praktisch die gesamte Backup Leistung durch Gaskraftwerke vorgehalten werden müsste. Die deutsche Stromversorgung würde sich damit in eine große Abhängigkeit von russischem Gas begeben. https://www.energy-charts.de/index_de.htm

Der Ansatz durch noch mehr WEA und eine bessere geografische Verteilung der Anlagen die hohen Wind- und damit Stromschwankungen in den Griff zu bekommen wird wahrscheinlich nicht gelingen, da die Großwetterlagen die Windverhältnisse in  Deutschland bestimmen und Deutschland flächenmäßig zu klein ist um eine ausreichende Windstärkendifferenzierung zwischen Nord und Süddeutschland zu haben. Dies bestätigt auch die  Windenergie-Einspeisung der Vergangenheit, wie folgende Zahlen belegen:

NL= installierte WEA Nennleistung am Jahresende in MW; max. WL = maximale Windleistung; min. WL = minimale Windleistung; % = Prozent von der NL, Einspeiseverhältnisse am 09.2010 und 7Jahre später jeweils in der 37.KW

2010:                  NL 27072,  max. WL 21679,          min. WL  113 = 0,41 % NL

2011:                  NL 28606, max. WL 22870,          min. WL   88 = 0,30 % NL

2012:                  NL 30755, max. WL 24086,          min. WL 115 = 0,37 % NL

2013:                  NL 33614, max. WL 26269,          min. WL 121 = 0,35 % NL

2014:                  NL 36928, max. WL 29687,          min. WL   24 = 0,06 % NL

2015:                  NL 44946, max.  WL32956,           min. WL   93 = 0,20 % NL

09.2010:            NL 26820, max. WL 11570,          min. WL 240 = 0,89 % NL

09.2017:             NL 53810, max. WL 38590,          min. WL 310 = 0,57 % NL

Die Tabelle zeigt, dass trotz Verdopplung der Nennleistung von 2010 bis 2017 die Minimalwerte der Windeinspeisung über all die Jahre hinweg mit kleiner 1% der Nennleistung extrem niedrig geblieben sind und sich kaum verändert haben. Nach wie vor gibt es Zeiten wo kein Windstrom vorhanden ist. Erschwerend dazu ist die Schwankungsbreite der Windstromeinspeisung, also der Maximal – und Minimalwert stark gestiegen. Die erhöhte Volatilität erschwert die Stromsteuerung im Netz. Nur mit einem ausgewogenen Mix aus verschiedenen regenerativen und konventionellen Stromerzeugungsanlagen lassen sich die aufgezeigten Risiken der Stromversorgung beheben, Einseitigkeit führt in eine teure und risikoreiche Sackgasse.

https://www.energy-charts.de/power_de.htm?source=conventional&week=37&year=2010

https://www.energy-charts.de/power_de.htm?source=conventional&week=37&year=2017

Umweltpolitik: Mehr Schein als Sein

Rückblick auf eine „alternativlose“ Politik. Was prägte die Zeitspanne von 2005 bis heute? Unter Angela Merkels langer Regierungszeit

…wurde eine Umweltpolitik praktiziert die im Ergebnis nur eine bescheidene Reduktion der Treibhausgasemission zur Folge hatte. Das Ergebnis steht nicht im Einklang mit dem steten Selbstlob und  der beanspruchten Vorreiterrolle Deutschlands in der Welt.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hatte im Vorfeld der internationalen Klimakonferenz in Paris 2015 die deutschen Klimaschutzziele dargelegt und in typisch deutscher Manier der Welt verkündet  „Deutschland kann vorangehen und andere Staaten mitziehen, damit es der Weltgemeinschaft gelingt, das 2-Grad-Ziel einzuhalten.  Die Broschüre  http://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/klimaschutz_in_zahlen_bf.pdf , präsentiert die Klimapolitik in ihrer ganzen Vielfältigkeit mit Zahlen, Daten und Informationen. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Dr. Barbara Hendricks“

Und die Realität ist wie immer sehr ernüchternd. Das 2014 festgelegte deutsche Klimaschutzziel bis 2020 die Treibhausgasemission um 40 Prozent  gegenüber der Emission von 1990 auf dann 751 Mio. t / Jahr  zu reduzieren, läuft Gefahr nicht erreicht zu werden. Noch stärker gilt dies für das langfristige Emissionsziel bis 2050 (Broschüre Seite 26).

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass unter Angela  Merkels Regierungszeit  in 11 Jahren von 2005 (Ausstoß 991 Mio.t CO2) bis Ende 2016 (Ausstoß 906 Mio. t CO2) die jährliche Emission nur um 85 Mio. t verringert wurde und dies bei einem enormen Kapitaleinsatz. Um das zuvor genannte Ziel zu erreichenmüsste nun in nur vier Jahren die Emission um 155 Mio. t reduziert werden, was völlig unrealistisch ist. Mehr Realismus und Ehrlichkeit gegenüber der Bevölkerung wäre angebracht.

Auch wird gerne unter den Teppich gekehrt, dass rund 60 % der bislang erreichten CO2 Reduzierung dem Bezugsjahr 1990 zu verdanken ist. Nach der Wiedervereinigung erfolgte im großen Stil die Stilllegung der alten unwirtschaftlichen und umweltschädlichen DDR-Kraftwerke, Industrieanlagen und Kraftfahrzeuge. Von 1990 (1251Mio. t CO2)  bis 2000 (1042 Mio. t CO2)  verringerte sich so der CO2-Ausstoß um beachtliche 209 Mio.t  pro Jahr, ein Segen für Mensch und Umwelt.

Bei der Pro-Kopf-Emission der 28 EU Staaten liegt  Deutschland mit 11,1 t CO2  auf dem miserablen  fünftletzten Platz. Vorne liegen Staaten mit ungefähr der Hälfe des deutschen Ausstoßes, wie Schweden, Rumänien, Lettland etc., gefolgt von Frankreich, Italien, Großbritannien mit 7- 8 t CO2 pro Kopf der Bevölkerung.( https://www.umweltbundesamt.de/daten/klimawandel/treibhausgas-emissionen-in-der-europaeischen-union#textpart-2 (Werte von 2014; 2016: 11,2 t pro Kopf, da 6 Mio.t höhere Gesamtemission)

Setzt man die Treibhausgas – Emission mit der Wirtschaftsleistung in Form des BIP ins Verhältnis, sieht es etwas besser aus. Aber auch hier liegt Deutschland mit rund 300 t CO2 Äquivalent pro Mio. BIP  nur im Mittelfeld. Schweden, Dänemark, Frankreich, Großbritannien etc. sind mit 130 bis 220 t CO2 pro BIP Äquivalent wesentlich umweltfreundlicher.( https://www.umweltbundesamt.de/daten/klimawandel/treibhausgas-emissionen-in-der-europaeischen-union#textpart-3 ) Auch in der weltweiten Betrachtung schneidet Deutschland nur mäßig ab. Bei der Gesamtemission hält Deutschland mit 906 t Treibhausgasen den unrühmlichen 6. Platz. In gerundeten  Werten beträgt die Treibhausgasemission  in Mio. t pro Kopf in Australien 33, in USA und Russland 19, in Japan und Deutschland 11, in der EU 10 und China 9. Beim Vergleich mit der Wirtschaftsleistung liegt Deutschland mit den zuvor genannten ca. 300 t CO2 pro 1Mio. BIP gleichauf wie die USA.  Der ermahnende Ton vieler deutscher Politiker und der Medien gegenüber den USA erscheint bei diesen Zahlen in einem ganz anderen Licht und die vor dem Gipfel in Hamburg von Frau Merkel betriebene opportunistische, wahlkampffördernde Panda – Kuscheldiplomatie mit China war völlig unangemessen. China ist kein „Umweltengel“ sondern  mit einem Drittel der gesamten weltweiten Treibhausgasemission der mit Abstand größte Umweltverschmutzer der Welt (siehe weiter unten).

Gründe für die schlechte Umweltbilanz Deutschlands sind u.a. die völlig verfehlte Verkehrspolitik mit Vorrang des Straßentransports und der nach der zweiten Energiewende 2011 beschlossene um 10 Jahre schnellere Ausstieg aus der CO2 freien Kernenergie. Von 2005 bis 2014 ist die Emission im Straßenverkehr  um 4 Mio. t auf 164 Mio. t gestiegen und trägt nun mit rund 18 % zur Gesamtemission bei. Das Bild sähe noch verheerender aus, wenn der reale Spritverbrauch und damit der reale Ausstoß von CO2 und Stickoxiden der Autos berücksichtigt würde. Wie jedermann weiß, ist der von der Autoindustrie angegebene Verbrauch eine reine „Schnapszahl“, die über genormte Größen wissentlich  nach unten getrickst wird um die Abgasnormen der EU einzuhalten. Und der Stickoxid – Dieselskandal setzt noch eins oben drauf. Die deutsche Emissionsbilanz wird noch weiter in die Knie gehen, wenn der Anteil der Dieselfahrzeuge auf Deutschlands Straßen, der derzeit bei 32 % liegt,  infolge des Skandals sinkt und nicht durch E – Autos sondern durch Benziner mit ihren um 20 % höheren Treibstoffverbrauch ausgeglichen wird. Regierung, Bundesverkehrsministerium und Bundeskraftfahrzeugamt erhalten jetzt die Rechnung für eine zu enge Bindung zur Autoindustrie und für eine von der Autolobby getriebene Verkehrspolitik. Nirgends in der sonstigen Industrie ist der Personalaustausch zwischen Politik und Konzernen so intensiv wie bei den deutschen Autoherstellern. Ausdruck hierfür ist der seit Jahrzehnten praktizierte Wechsel hochrangiger Politiker auf gut dotierte Posten in dieser Branche. Die scharfe Grenze zwischen legal und illegal wird dabei aufgeweicht.

… wurde zu wenig getan, damit Deutschland auch in Zukunft vorne mitspielen kann. Die Solarindustrie hat in Deutschland Dank politischer Fehlsteuerung von immensen Steuergeldern durch das EEG Gesetz ihre globale Wettbewerbsfähigkeit verloren und spielt heute keine Rolle mehr. Bei der E- Mobilität, der Speicherung von Energie, der besseren Verteilung von Sonnen – und Windenergie durch Nord- Südtrassen, der Verlagerung von Frachtgütern auf die Schiene, der stärkeren Nutzung von Wasserwegen, etc. hat die Politik jahrelang falsche Akzente gesetzt und der Industrie keine klaren, langfristig belastbare Rahmenbedingungen vorgegeben. Hier kommt in der nächsten Legislaturperiode viel Arbeit auf die dann amtierende Regierung zu. Sie muss beweisen, dass sie die Umwelt nicht nur schön reden kann, sondern die ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen so zu setzen versteht, dass die notwendigen Großprojekte (Stromautobahnen, große Energiespeicher, Backup Kraftwerkspark, neue Bahntrassen, großes Netz von E- Mobil – Ladegeräte, flächendeckendes  Netz von Breitbandkabel, Entlastung der Städte von durchfahrenden Schwerlastverkehr, etc.) auch real in Deutschland umgesetzt werden können, nicht in Jahrzehnten sondern in Jahren. Sie muss belegen, dass sie die deutsche Selbstverpflichtung unter dem Pariser Umweltabkommen auch erfüllen kann.

Deutschland als Vorreiter in Umweltbelangen darzustellen ist eine der Bevölkerung gern verkaufte Mär um im Eigeninteresse Wählerstimmen zu erhalten und um bei der Bevölkerung weiterhin kritiklos ein weit geöffnetes Portemonnaie für Umweltausgaben vorzufinden. Die Überprüfung des Pariser Umweltabkommen in 2023 wird zeigen wie gut Deutschland seine Hausaufgaben bis dahin gemacht hat. Vielleicht sind wir wieder Spitze, vielleicht haben wir uns bis dahin aber auch in den komplizierten von Lobbyisten getriebenen Regelwerken produktivlos verfangen?

Pariser Klimaschutzabkommen

Der internationale Klimavertrag vom 12. 12. 2015 / Inkraftsetzung  am  4. Nov. 2016 ist mit fast 200 Unterzeichnerstaaten ein riesen Erfolg auf dem Weg zu einer saubereren Luft und weniger belasteten Umwelt. Als langfristiges Umweltziel wurde vereinbart die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber dem Beginn der Industrialisierung  (um 1850) zu begrenzen. Ein anspruchsvolles Ziel, das nur bei konsequenter langfristiger Zielarbeit und Zielüberprüfung zu erreichen ist, zumal die globale Mitteltemperatur bereits um 0,8 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegt.

Gerade hier hat das Umweltabkommen aber erhebliche Schwächen. Der Vertrag ist sehr weich verfasst, die Umweltziele beruhen ausschließlich auf freiwilligen Selbstverpflichtungen der Staaten und dem Vertrag fehlt die stringente Zielverfolgung gerade in den ersten Jahren. Erst 2023 und dann alle 5 Jahre soll die Einhaltung der Selbstverpflichtungen überprüft werden. Auch gibt es keine rechtlich bindende Sanktionselemente im Vertrag die bei Nichterfüllung der Selbstverpflichtungen eingesetzt werden können. Die Europäische Union hat als Beitrag für das Pariser – Abkommen beschlossen, ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Sie nimmt damit eine internationale Vorreiterrolle ein.

Die Entscheidung Donald Trump aus dem Pariser Umweltvertrag auszusteigen ist enttäuschend. Dennoch war die Überreaktion vieler deutscher Politiker, die Drohungen, der mahnende deutsche Zeigefinger gegenüber den USA und die Trotzreaktion, China nun als „Umweltvorbild“ darzustellen völlig unangebracht und Wahlkampfgetöse aller Parteien. Trump ist nicht die USA, wie man an seinen gescheiterten Gesetzesvorlagen und den gegen ihn eingeleiteten Untersuchungen sehen kann. Vielmehr spricht vieles dafür, dass, wie US – Außenminister  Rex Tillerson in einer ersten Reaktion auf die Entscheidung von Trump sagte, die Umweltbemühungen der einzelnen Staaten in Zukunft nicht zurückgefahren werden und die erfolgreiche  Bilanz der letzten Jahre bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen fortgesetzt werde. Auch ist der Ausstieg der USA aus dem Abkommen nicht so schnell zu bewerkstelligen. Nach Jean  Claude  Juncker  „wäre der Ausstiegsprozess erst im November 2020 abgeschlossen – pünktlich zur nächsten US-Präsidentschaftswahl“ und da ist dann alles wieder offen.

Da man die von Trump getroffene Entscheidung z.Z. nicht ändern kann, ist es besser sich mit seinen Argumenten zu befassen und zu versuchen die USA im Boot zu halten. Die strikte Ablehnung von Gesprächen und Verhandlungen, wie es u.a. auch Deutschland vertritt, könnte langfristig im Sinne der Umwelt kontraproduktiv sein.

Trump sieht in dem Pariser Abkommen China und Indien besonders bevorteilt. Für die USA  sei das Pariser Abkommen „sehr unfair“ und bedeute eine Umverteilung des Wohlstands auf Kosten der USA.

Die Selbstverpflichtungen der einzelnen Länder werden nach Kriterien, wie Verantwortung, Fähigkeit, Kosten etc. in  „Fair Emission Range“ beurteilt  http://climateactiontracker.org/countries/china.html  und sehen für einige Länder wie folgt aus:

Fair Emission Range (Medium) nach Pariser Abkommen  in Mrd. t CO2

Land                      2020                    2030

China                  7 bis 16               4,4 bis 14

USA                    2 bis 6                 – 2 bis 6

Indien                  2 bis 4,5              2 bis 6,5

EU                       1 bis 4                 -2 bis 3,8

Ein Blick auf die Selbstverpflichtungswerte bis 2030 und die aktuelle

Treibhausgasemission 2016

Land         in Mrd.t      pro Kopf Mio. t      pro 1 Mio. BIP$    weltweit in %

China         10,4                  9,3                          880                             28,2

USA             5,4                 19,4                          278                             15,9

D                  0,91                11,2                           270                              2,2

Welt            ca. 35

zeigt, dass China in der Tat für sich ein sehr gutes Ergebnis erzielt hat,  aber ein weniger Gutes für die Umwelt. Nach der Selbstverpflichtung kann China bis 2030 die Treibhausgasemissionen sogar noch um mehrere Mrd. t erhöhen um ein nach dem  „Fair Emission Range“ des Pariser Abkommens noch „zufriedenstellendes“ Ranking zu erhalten. Im Vergleich zur EU wird China bis 2030 eine um den Faktor 3,5 höhere Emission zugestanden, um noch im selben Ranging –  Bereich zu liegen.  http://climateactiontracker.org/countries/eu.html

Die Größenordnung der chinesischen Emission wird deutlich, wenn einem bewusst wird, dass China in 2015 mit 10,4 Mrd. t CO2 für ein Drittel der gesamten weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich war. Von 2011 bis 2015 erhöhte sich die Emission in China um unglaubliche 1,37 Mrd.t wogegen sie sich in den USA im selben Zeitraum um 602 Mio.t. auf 5,4 Mrd. t verringerte.  Die weltweite Emission lag 2016 bei ca. 35. Mrd.t CO2.

In den letzten Jahrzehnten hat China eine radikale Industrieexpansion zu Lasten der Umwelt und der Gesundheit der Menschen betrieben. In vielen Großstädten Chinas sind  Atemmasken im Straßenbild nichts außergewöhnliches. Der hohe weltweite Industriestandard würde es China erlauben eine umweltschonendere Industrialisierung zu betreiben, die aber aus Großmachtbestreben und Profitgier unterbleibt. Wegen des großen chinesischen Absatzmarktes schweigt die Welt dazu und akzeptiert an allen Fronten vorteilhafte Sonderregelungen für China (z.B. Unternehmensgründungen nur zusammen mit einem chinesischen Partner, was zu einem schnellen Abfluss von Know-how nach China führt).

Die Frage sei erlaubt, ob das am häufigsten verwendete  Pro-Kopf-Kriterium beim CO2-Ausstoß die richtige Messlatte darstellt?  Es berücksichtigt nicht das Wirtschaftlichkeitsprinzip der Opportunitätskosten wonach das Kapital dorthin fließen sollte wo es den größten Nutzen bringt, in diesem Fall die größte CO2 Reduktion pro Kapitaleinheit. Es erlaubt andererseits aufstrebenden Entwicklungsländern vorzeitliche, umweltverachtende Industrien zu etablieren mit denen man wegen geringerer Kapitalkosten gutes Geld zu Lasten der Umwelt verdienen kann. Die vorindustrielle Manchester-Zeit sollte jedoch lange passé sein.

Welche Kriterien zur Beurteilung der Angemessenheit der Treibhausgasemission eines Landes verwendet werden sollten, ist nicht leicht zu beantworten. Es lohnt sich aber hier weiteren Hirnschmalz reinzustecken. Die heutigen „Fair Play“ Kriterien scheinen noch nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein. Das heute alles dominierende pro Kopf Kriterium sollte zumindest durch einem

gewichteten Mix aus folgenden Kriterien ersetzt werden:

  • CO2 Emission pro Kopf der Bevölkerung
  • CO2 Emission pro Einheit des Bruttoinlandsprodukt
  • Reale gemessene CO2 Emission in der Luft der größten Städte eines Landes.

Ohne Berücksichtigung der letzten beiden Kriterien kommt es zu umweltpolitischen Fehlsteuerungen, einem falschen Kapitaleinsatz und zu einer nicht den realen Bedingungen entsprechenden Wahrnehmung der Umweltverhältnisse eines Landes.

Der nächste Artikel befasst sich mit der Verkehrspolitik.

Wendehälse der Kernenergie

 

Rückblick auf eine  „alternativlose“ Politik. Was prägte die Zeitspanne von 2005 bis heute? Unter Frau Merkels langer Regierungszeit

…wurden zwei Kernenergiewenden in sechs Monaten durchgeführt. Nach intensiver Sicherheitsüberprüfung aller Anlagen wurde im Oktober 2010 im Bundestag beschlossen, die Laufzeit von 7 Anlagen um 8 Jahre und von 10 Anlagen um 14 Jahre zu verlängern und dann die Kernenergie zu beenden. Das Gesetz trat im Dezember 2010 in Kraft. Mit ihm sollte ein geordneter, bezahlbarer Übergang zu regenerativer Energieerzeugung erreicht werden. Sechs Monate nach dieser Verlängerung und nur drei Tagen nach der Havarie von Fukushima am 11. März 2011 – ausgelöst durch einen Tsunami und der damit einhergehenden Überflutung der Anlage mit bis zu 13 Meter hohen Flutwellen – beschließt Frau Merkel blitzartig eine populistische Kehrtwende in der Energiepolitik und den Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie. Ohne Einschaltung von Fraktion und Parlament, ohne vorherige Abklärung der Rechtsgrundlage und ohne jede Gefahr, dass in Deutschland ein ähnliches Ereignis wie in Japan stattfinden könnte, wurden 7 Anlagen sofort vom Netz genommen (drei monatiges Atom – Moratorium). Am 22. März wurde von  der Bundeskanzlerin eine „Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung “ eingesetzt, um technische und ethische Aspekte der Kernenergie zu prüfen, einen gesellschaftlichen Konsens zum Atomausstieg vorzubereiten und Vorschläge für den Übergang zu erneuerbaren Energien zu erarbeiten.  Nach Diskussion der Ergebnisse folgte im Juni 2011 der Bundeskabinettsbeschluss zur Abschaltung aller Anlagen bis 2022.

Mit dem Moratorium am 14. März nutzte Frau Merkel geschickt den Geist der Zeit und traf reflexartig, risikoreich und absolutistisch wieder einmal eine für Deutschland folgenschwere Entscheidung die zu einer beschleunigten Beendigung der Kernenergienutzung führte. Als ehemalige Bundesministerin für Umwelt und Reaktorsicherheit (1994  bis 1998)  war ihr klar, dass der Tsunami in Japan nicht zu einer geänderten Sicherheitseinschätzung der deutschen Reaktoren führen konnte, zumal die Regierung noch sechs Monate vorher das hohe Lied der Sicherheit deutscher Kernenergieanlagen in den Medien gesungen hat.

Eine Klagewelle war die Folge. Das Bundesverfassungsgericht stellte Ende 2016 fest, dass die Laufzeitverkürzung keine Enteignung darstellt, aber Recht auf Eigentum verletzt wurde und Ausgleichsansprüche der Energieversorger bestehen. Im Juni 2017 erklärte das Verfassungsgericht die von 2011 bis 2016 erhobene Brennelementsteuer für nichtig und verpflichtete den Bund zur Rückzahlung der eingenommenen Steuer von 6,3 Mrd. €.

Wieder einmal glaubte die deutsche Politik, Trendsetter zu sein und es der Welt zeigen zu müssen, glaubte, dass die Welt dem deutschen Beispiel folgen würde und wurde enttäuscht allein zurückgelassen. Kein Land folgte dem deutschen Vorgehen. Japan hat drei Anlagen wieder in Betrieb genommen und für 25 Anlagen die Verfahren mit voraussichtlichen Terminen für die Wiederinbetriebnahme abgeschlossen. Selbst Schweden, das Land mit dem ersten Ausstiegsbeschluss (1980) hat ihn 2010/2016 aus Gründen der Versorgungssicherheit und der Verbesserung der Umweltbedingungen wieder aufgehoben. Bis zu 10 neue Anlagen können nach und nach alte Reaktoren ersetzen. Weltweit gingen  2016  10 neue Anlagen in sechs Ländern erstmals in Betrieb. Damit sind 450 Kernkraftwerke in Betrieb (EU 128 KKW) bzw. betriebsbereit (japanische Anlagen), so viele wie in keinem Jahr zuvor. In 15 Ländern befinden sich 65 Anlagen in der Errichtung  und 125 Anlagen befinden sich weltweit in der Planung. In 2016 gab es weltweit einen Leistungszuwachs von 2 % auf nunmehr 418 GW Kraftwerksleistung. Die Zahlen belegen kein starkes Wachstum der Kernenergie in der Welt, zeigen aber einen weiterhin auf Ausbau ausgerichteten Trend, der sich weitgehend in den Ländern Asiens vollzieht. Die nächsten Jahre und Jahrzehnte werden zeigen, ob die Welt auf den CO2 freien Energieträger Uran, auf Kernenergie verzichten kann, oder ob der steigende Energiehunger der wachsenden Weltbevölkerung ihn unverzichtbar macht.

In Deutschland hat die opportunistische, überhastete, planlose  doppelte Energiewende von Angela Merkel die ein halbes Jahr vorher gesetzlich verankerte ausgewogene Energiewende mit einer 10 jährigen längeren Brückenfunktion der Kernenergie zunichte gemacht (Ende der Kernenergie 2032, anstatt wie jetzt 2022). Damit ist die Ausgewogenheit des Übergangs auf erneuerbare Energien zwischen den einzelnen Energieträgern verloren gegangen. Die Folgen sind enorme Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Energiewende (politische, planerische, genehmigungsrechtliche, technische), bedeutend höhere Kosten für Stromkunden, eine stärkere Umweltbelastung durch den vorgezogenen Wegfall der CO2 freien Kernkraft (CO2 Vermeidung pro Anlage ca.9 Mio.t pro Jahr) und eine Gefährdung der international vereinbarten umweltpolitischen Ziele Deutschlands. Eine weitere Folge ist der komplette Verlust des über ein halbes Jahrhundert  in Deutschland aufgebauten Wissens  zur Kerntechnik und der Verlust des Know how  zur Errichtung und des Betriebes von Kernkraftwerken. Es ist die endgültige Verabschiedung Deutschlands aus einer Zukunftstechnologie und einem weltweiten Wirtschaftszweig. Die Zukunft wird zeigen, ob der Weg Deutschlands richtig war.

Ein paar Daten zur Kernenergie in Deutschland:

Der nächste Artikel befasst sich mit der Umweltpolitik.

 

 

Entgleiste Energiepolitik

 

Rückblick auf eine  „alternativlose“ Politik. Was prägte die Zeitspanne von 2005 bis heute? Unter Angela Merkels langer Regierungszeit

…wurde die deutsche Stromwirtschaft über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zur staatlich gelenkten extrem teuren und risikoreichen Plan- und Subventionswirtschaft umgebaut.

ist Deutschlands Stromversorgung verkommen. Die Gefahr größerer Stromausfälle hat deutlich zugenommen. Gemessen an den Stromausfallzeiten hatte Deutschland vor der Energiewende eine der sichersten Stromversorgungen der Welt, heute sind wir weit davon entfernt. Themen wie  Netzreserven, Reservevorhaltung konventioneller Kraftwerke, kritische Netzsituationen und Beinahe-Netzzusammenbrüche waren der Politik und Bevölkerung vor der Energiewende nicht geläufig. Heute haben wir einen Zustand, der den Innenminister dazu bewegt hat, ein Zivilschutzkonzept für den Fall eines Mega-Blackout durch Terror, Epidemien und extreme Wetterlagen erarbeiten zu lassen und den Bürgern zur Anwendung zu empfehlen. Eine Empfehlung sind Notvorräte für zehn Tage anzulegen  https://www.tagesschau.de/inland/zivilschutz-kabinett-101.html .

wurde die Energiewende von 2011 an die Wand gefahren. Der Ansatz zu einem Übergang auf erneuerbare Energien war gut, die Umsetzung über das EEG war gut gemeint, das Ergebnis ist dürftig bis schlecht. Keines der ursprünglichen Ziele wie Schaffung von nennenswerten Arbeitsplätzen, Reduzierung der CO2-Belastung und Kostentragfähigkeit für die Bürger wurde erreicht. Eine Energiewende der Planwirtschaft mit Dauersubventionierung durch die Bürger kann nicht erfolgreich sein, zumal sie von Frau Merkel und & Co. mit Machtbesessenheit und heißer Nadel in wenigen Tagen gestrickt wurde. Versprechen und Realität klaffen heute weit auseinander:

Die Kosten der Energiewende sind ausgeufert. Umweltminister Trittin hatte 2004 noch behauptet, dass die Energiewende dem Bürger nicht mehr als eine Kugel Eis pro Monat kosten werde. Statt der propagierten Mehrkosten von 0,25ct/KWh sind es in Wirklichkeit heute 6,88 ct /KWh bzw. 330 € pro Jahr für jeden Haushaltskunden. Es ist also das 27-fache dessen, was geplant war und dem Bürger verkauft wurde. Und dies ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, da der Netzausbau (Schlagwort Nord – Süd -Stromautobahnen) mit seinen hohen Kosten noch bevorsteht.

25 000 Millionen € oder, da die Politik neuerdings nur noch über Milliarden redet, 25 Milliarden € zahlt der Bürger/Stromverbraucher pro Jahr im Rahmen des EEG. Und wo fließt das Geld hin? Von der breiten Bevölkerung, dem Bürger zu „wenigen“ Investoren, die es sich leisten können in große Solar- und Windparks sowie Biogasanlagen zu investieren und zu Ökobauern, die durch die Verpachtung von Flächen ihren Reibach machen. Einfache Einfamilienhausbesitzer mit Solarzellen auf dem Dach sind damit nicht gemeint. Es ist die mächtige Öko-Lobby, die vorgibt die Welt zu retten und dabei das große Geldverdienen im Blick hat. So verdient beispielsweise ein Öko-Bauer durch die Verpachtung eines Grundstücks für eine Windmühle (Jahrespacht ca.50 000 €) in 20 Jahren 1 Mio. Euro. Ein toller Lottogewinn für Nichtstun. Durch das unausgewogene, marktverzerrende EEG-Gesetz ist einfach zu viel Geld im System, das jeden Protest gegen das EEG, gegen eine zu hohe Einspeisevergütung, gegen brutale Landzerstörung, gegen Vogelschredderei, bereits im Kern erstickt. Die Gutmenschen retten die Welt und lassen die Champagnerkorken knallen.

Über Subventionsgarantien des Staates werden so über einen Zeitraum von 20 Jahren unvorstellbare 500 000 Millionen Euro, d.h. 500 Milliarden Euro  dem Bürger/Stromverbraucher aus der Tasche gezogen und nach oben umverteilt. Die Umweltlobby nutzt das EEG als Euro speienden Goldesel und die Kanzlerin betreibt so eine bislang in dieser Größenordnung nicht gekannte Vermögensumschichtung und nennt das Ergebnis noch eine gute Sache.

Die Stromerzeugung aus Sonne und Wind ist mit 24,8% des Jahresbedarfs nach wie vor bescheiden und dies trotz einer enorm hohen installierten Leistung von 93 340 MW (Mai 2017). Diese Wind- und Sonnenleistung ist bereits jetzt bedeutend höher als der maximal benötige Spitzenbedarf von ca. 75 000 MW in Deutschland. Ein wirtschaftlicher Investitionswahnsinn, der nach den EEG-Planungen mit einem Zubau von bis 2800 MW Windenergie pro Jahr weitergehen wird. Vor der Energiewende hatte Deutschland eine installierte Gesamtleistung (Kohle, Gas, Kern, Wasser, Wind, Sonne, Bio etc.) von ca. 80 000 MW, heute sind es über 200 000 MW. Und der Politik fehlt die Kraft zur Änderung. Wie das Kaninchen vor der Schlange ist sie paralysiert vom Ergebnis ihres EEG-Gesetzes.

Die CO2-Einsparung ist miserabel. 2011, dem Jahr der Energiewende, wurden 922 Mio. t Treibhausgase freigesetzt und 2016 906 Mio.t. Lumpige 16 Mio. t pro Jahr oder 1,7%  wurden eingespart. Für diesen Spareffekt zahlt der Bürger im Jahr 1562 € pro Tonne vermiedenen CO2, eben die rund 25 Mrd.€. Bei dieser Bilanz wird das Wirtschaftlichkeitsprinzip der Opportunitätskosten mit Füßen getreten. So hat China von 2011 bis 2015 den CO2-Ausstoß kräftig um 1375 Millionen Tonnen auf insgesamt 10,4 Mrd. t CO2 erhöht. Die Einsparung Deutschlands entspricht also 1,16% der Erhöhung Chinas.

Noch düsterer sieht die deutsche Emissionsbilanz im Vergleich der Jahre 2009 und 2016 aus. Mit jeweils 906 Mio.t ist keinerlei Fortschritt zu verzeichnen. ( https://www.umweltbundesamt.de/daten/klimawandel/treibhausgas-emissionen-in-deutschland#textpart-4) . Bei diesem Schneckentempo fragt man sich wie die Kanzlerin und Umweltministerin Hendricks ihre hochgelobten Emissionsziele in Mio. Tonnen 2020: 751; 2030 563, 2040: 375, 2050 max. 250 jemals erreichen wollen. (https://www.umweltbundesamt.de/daten/klimawandel/treibhausgas-emissionen-in-deutschland#textpart-1) Bei dieser Bilanz ist es auch verständlich, dass auf den Seiten des BMWi und BMUB nur schwer die neuesten Emissionsbilanzen zu finden sind (http://www.bmwi.de/Navigation/DE/Home/home.html),  (http://www.bmub.bund.de/)

Eine Vorhaltung konventioneller Kraftwerke (Kohle, Gas, Wasser) bis zu 100% der in Deutschland benötigten Leistung ist notwendig. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass es trotz des enormen Zubaus von Sonnen- und Windanlagen witterungsbedingt so extreme Leistungsschwankungen geben kann, dass es zu Netzzusammenbrüchen kommen kann, wenn nicht ausreichende konventionelle Leistung dauerhaft vorgehalten und schnell abgerufen werden kann. Die triviale Erkenntnis, dass nachts die Sonne nicht scheint und bei bestimmten Wetterlagen (starke Kälte, große Hitze, dichter Nebel ) praktisch kein Wind weht, scheint bei der übereilten Festlegung der Ziele der Energiewende vergessen worden zu sein. Man spricht in diesem Zusammenhang von der sogenannten Dunkelflaute (http://www.erneuerbareenergien.de/neuer-einspeiserekord-fuer-deutschland/150/434/100958/). Im Januar 2017 hatte ein Hochdruckgebiet für Windstille und Nebel gesorgt. So standen am 24.Januar von der installierten Wind- und Solarleistung in Höhe von 91 367 MW nur 311 MW zur Verfügung, also gerade mal 0,34%. Und die Stromproduktion war mit 8735 GWh, oder 19,31 % des Januarbedarfs ebenfalls miserabel. Und wer glaubt, dass es diese Dunkelflaute nur im Herbst / Winter gibt, der irrt, wie die Werte aus Mai und Juni 2017 zeigen:

  • Mai:
  • Installierte Sonnen- und Windleistung 93 338 MW
  • Gelieferte Maximallast 34 255 MW
  • Gelieferte Minimalleistung 1 803 MW; 1,9 % der inst. Leistung
  • Erzeugter Strom 10 864 GWh; 27,14 % des Bedarfs
  • Juni:
  • Gelieferte Minimalleistung 1083 MW;1,1 % der inst. Leistung
  • Erzeugter Strom 12 597GWh; 32,4% des Bedarfs

Die konventionellen Kraftwerke müssen also zu bestimmten Zeiten 100% der benötigten Netzleistung stellen. Diese Tatsache hat sich in den letzten Jahren trotz massiven Zubaus von Sonnen- und Windanlagen nicht geändert. Ein Fakt, den man vergebens in der Berichterstattung sucht. Man fragt sich auch warum in den öffentlichen Publikationen bei der Darstellung der Leistungsganglinien  für Wind – und Sonnenenergie die Maßstäbe so groß gewählt werden, dass das Problem der Energieschwankungen unterdrückt wird. Anstatt Tagesmittelwerte darzustellen (dann scheint die Sonne nachts auch) sollten Stundenmittelwerte und bei kritischen Situationen ¼ Stundenmittelwerte verwendet werden wie es in der fachkundigen Energietechnik üblich ist. Das erfordert die Netzstabilität und würde Vertrauen schaffen. Der Politik ist das Problem der enormen Energieschwankungen  bekannt und auch, dass man dies durch einen weiteren Leistungszubau nicht lösen kann und dennoch geht es wider besseren Wissens mit dem Kapazitätsausbau und damit weiter steigender  Kosten weiter. Energiespeicher in Form großer Bergseen, Druckluftkavernen etc. und eine neue Ausgewogenheit zwischen konventionellen und erneuerbaren Energien wären notwendig um die Energiewende zum Erfolg zu führen. Um solche Großprojekte umzusetzen braucht es Politiker die sich arrangiert mit den betroffenen Bürgern und den erwarteten Bürgerinitiativen auseinandersetzen.

Die Arbeitsplatzbilanz ist katastrophal. Hunderttausende Arbeitsplätze sollten entstehen, fast nichts ist davon übriggeblieben. Die überaus üppigen Subventionen des Staates über das EEG, oder besser gesagt der Zahlungen der Strombezieher, haben zu Fettleibigkeit und Innovationsverlust der deutschen Solarbranche geführt und damit zum Untergang der deutschen Solarbranche. Insolvenzen und Konkurse waren die Folge, Solon, Solar Millenium, Q- Cells, Centrotherm, Sovello, Conergy, Solarworld etc. Die Produktion von Solarzellen in Deutschland ist praktisch zum Erliegen gekommen. Deutsche Politiker wollten es der Welt mal wieder zeigen und sind an ihrem mangelhaften EEG-Gesetz gescheitert.  Letztlich hat der deutsche Michel im Auftrag der Politik die weltweite milliardenschwere Anschubfinanzierung geleistet, um Firmen in den USA und China zu den heutigen Champions zu machen. Deutsche Subventionen für die Welt und Arbeitsplätze in den USA und China.

Viel Sonne und Wind sind für den Bürger teuer.Die bereits hohe installierte Sonnen- und Windleistung führt zusammen mit dem Recht aus dem EEG-Gesetz zur steten Stromeinspeisung dazu, dass es bei starkem Wind und viel Sonne zu einem Stromüberschuss kommt, der den Strom verteuert. Selbst wenn die Bevölkerung und Wirtschaft keinen zusätzlichen Energiebedarf haben und die Netzagentur das Abfahren von Anlagen anordnet, werden die Sonnen- und Windanlagenbetreiber für den theoretisch produzierten Strom weiterhin vollumfänglich bezahlt. Zusätzlich wird zum Erhalt der Netzstabilität dann noch vorhandener in Deutschland nicht benötigter Strom teuer an die Nachbarstaaten, die Überschussstrom nur noch gegen Bezahlung annehmen, verkauft. Beispielhaft zahlte der Stromverbraucher Weihnachten 2016 200 Mio. € für Strom, der nicht produziert wurde, und noch mal 19 Mio. € für Überschussstrom, der zum Erhalt der Netzstabilität ins Ausland verkauft werden musste. Das zeigt wie wirtschaftsfremd und absurd das EEG angelegt und gehandhabt wird. Eine so extreme, risikoreiche und teure Energiewende wie in Deutschland gibt es nirgends auf der Welt.

…wurde eine Energiepolitik mit einseitiger Glorifizierung der erneuerbaren Energien betrieben. Eine ausbalancierte Betrachtung der Vor- und Nachteile dieser Energieerzeugung findet nicht statt. Die Art und Weise der zum Teil hysterischen Befürwortung der Erneuerbaren erinnert stark an die Anfangszeit der Kernenergie in den 60er / 70er Jahren in denen der Staat im Rahmen von Energieprogrammen den forcierten Ausbau der Kernenergie forderte. Die weitere Entwicklung kennen wir alle. Was hat die Politik daraus gelernt, anscheinend nichts? Publikationen gibt es zu genügend, Organisationen, Ämter und Arbeitsgruppen die sich damit beschäftigen auch. Ministerien: BMUB, BMWi, BMEL, Ämter: Umweltbundesamt UBA, Deutschlands zentrale Umweltbehörde (https://www.umweltbundesamt.de/),  Arbeitsgruppe des UBA Erneuerbare Energien- Statistik, AGEE-Stat; StBA, BNetzA etc. Egal welche Berichte man ansieht, in rosa roten Farben der aufgehenden Sonne geht es um neue Rekorde installierter Leistung, um vermiedene Emissionen, um runter gebrochene Detailstatistiken etc., aber niemals um Probleme der Erneuerbaren und deren schädigende Wirkung auf Mensch und Umwelt. Verhindert dies eine zu starke Lobby? (https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/arbeitsgruppe-erneuerbare-energien-statistik-agee ) Und in der Berichterstattung der Medien, in  den Schulen etc. setzt sich diese Einseitigkeit fort, obwohl jedermann weiß, dass jede Technik Vor- und Nachteile hat. Bei dieser Vorprägung fällt es schwer zu einem ausgewogenen Meinungsbild zu finden und so gibt es viele Fragen ohne Antwort.

  • In welchem Umfang erfolgt eine Habitatzerstörung bedrohter Tiere und Pflanzen, wie sieht es mit der Erfassung von durch Windanlagen getöteten Vögeln aus? Warum wird hier ein anderer Maßstab angelegt als bei anderen Industrie- und Infrastrukturprojekten, die oft wegen „einer“ schützenswerten  Maus einen jahrelangen Verzug haben, oder ganz scheitern?
  • Warum gibt es kein der Öffentlichkeit zugängliches Register über zur Errichtung von Windanlagen gerodete – und hoffentlich an anderer Stelle wieder aufgeforstete – Waldflächen?
  • Wie erfasst und bewertet man die gesundheitlichen Risiken der Menschen durch Infraschall, Lärm etc.? Wie bewertet man die Verschandelung der Landschaft?
  • Was sind die unmittelbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die Verbrennung von Holzpellets? Vom UBA wird für 2016 stolz von einem erhöhten Verbrauch von Pellets auf nunmehr 2 Mio. Tonnen pro Jahr und neuer installierter Pelletfeuerungen auf  insgesamt 422 000 Anlagen berichtet. Man freut sich über die langfristig ausgewogene Umweltbilanz (50Jahre), die kurzfristige Gesundheitsbilanz der Menschen durch die zusätzliche Luftbelastung, besonders bei bestimmten Witterungslagen, wird ausgeblendet.
  • Noch stärker gilt diese verzerrte Darstellung für die Nutzung von Bioenergie im Verkehrssektor mit seinen negativen Auswirkungen auf Menschen und Umwelt. So u.a. durch die Verschlechterung des Trinkwassers durch Nitrate, der Schadstoffbelastung der Böden, der Schädigung der Artenvielfalt durch den  Anbau von Monokulturen (u.a. Mais) und dem massiven Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmittel. Wie sieht die das Gesamtsystem betrachtende  ökologische, gesundheitliche und ökonomische Bilanz aus?

Die stark einseitig ausgeprägte Betrachtung der regenerativen Energien könnte zu einem bösen Erwachen führen. Eine ausgewogene, offene, ideologiefreie  Diskussion mit der Bevölkerung in Verbindung mit einer Neubestimmung der ökologischen, gesundheitlichen und ökonomische Auswirkungen der Energiewende ist notwendig. Erfolgt dies nicht, droht langfristig eine neue Bewegung zur Rettung der Umwelt vor den Folgen einer ungezügelten Umweltpolitik. „Für Mensch und Umwelt″ ist der Leitspruch des Umweltbundesamtes. Mehr Objektivität aus Liebe zur Umwelt wäre in der Politik angebracht. Oder ist die gesellschaftliche und  unternehmerische Wirkung des EEG mittlerweile so groß, dass die Politik Gefangener ihres eigenen Gesetzes geworden ist? Sind zwingend notwendige Korrekturen politisch noch durchsetzbar?

Der nächste Artikel befasst sich mit dem „Schiffbruch in der Umweltpolitik“

 

 

 

 

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